afrika

Von Algerien bis Zentralafrikanische Republik: Empfehlungen, Reiserouten und mehr für den schwarzen Kontinent
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petravel
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afrika

Beitrag von petravel »

bin mit dem fahrrad in afrika unterwegs gewesen. ein onlinetagebuch gibts auf:
http://www.plan-aktionsgruppe-hannover.de dort unter dem button "petra`s reise".
ich bin in guinea, guinea-bissau, der casamance (senegal), gambia, ghana, uganda, kenia und in tansania (incl. sansibar) unterwegs gewesen. fragen könnt ihr mir hier gern stellen und ich werde sie so gut ich kann beantworten.
petravel
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Beitrag von petravel »

Die Radlerin
Den ersten Fahrradurlaub unternahm ich 1977 mit meinem damaligen Freund und jetzigen Mann durch die Lüneburger Heide - mit Rädern ohne Gangschaltung. Danach spielte das Auto eine wichtige Rolle als Fortbewegungsmittel. Nachdem wir 1993 unser Privatauto abgeschafft haben und Mitglied im Verein Oekostadt bei „teilauto“ wurden, sind wir auch im Alltag mehr und mehr Rad gefahren; ein erster Familienfahrradurlaub durch ein verregnetes, kaltes Dänemark machte wenig Lust auf mehr.

Bei einem der weiteren Fahrradurlaube mit meinem Mann und der Urlaubslektüre „Timbuktu“ von Bettina Selby entstand der Gedanke, selbst eine solche Fahrradtour in Westafrika zu unternehmen und mein Patenkind in Sierra Leone zu besuchen. Informationen über die sich rasant verschlechternde Lage dort ließen es nicht zu. So verkürzte ich meine Route und beschloss von Conakry in Guinea durch Guinea-Bissau und die Casamance im Senegal nach Banjul in Gambia zu radeln. Leider ohne eine PLAN-Projekt besuchen zu können. Diese Tour unternahm ich dann vom 9. Dezember 1995 bis zum 20. Januar 1996. In Bissau begegnete mir dann doch tatsächlich auf der Strasse ein Auto mit PLAN- Logo. Ich sprach die Mitarbeiter an, wurde ins PLAN-Büro gebracht und dort spontan vom Leiter des dortigen Länderbüros Fritz Forster über den Aufbau des neuen Projektes informiert.

Auf meinem Weg hatte ich keinerlei Unterkünfte vorgebucht – nicht einmal in der Millionenstadt Conakry, wo ich nachts landete – damit war ich vom ersten Augenblick an ins kalte Wasser gesprungen und – es funktionierte. Ich habe immer auch in den abgelegensten Dörfern eine Unterkunft gefunden. Es waren natürlich keine Luxusunterkünfte – sondern vom sauberen Gästezimmer mit fliessend Wasser und Strom (zeitweise) über die Lehmhütte mit Kerzenschein ohne auch nur die einfachste Toilette – bis zum Ziegenstall war alles dabei. Mein mitgenommenes Zelt brauchte ich nie aufzubauen. Die 4,5 Kilo Zelt hatte ich umsonst mitgeschleppt. Immer fand ich unterwegs hilfreiche Menschen, die mir weiterhalfen, wenn ich sie brauchte. Die Verständigung klappte, wenn nicht anders möglich, mit Händen und Füssen.

Es war nicht immer alles einfach – die Wege waren manchmal sandig, mit darunter versteckten Felsen auch rumpelig, es gab nicht immer Brücken bei den zu überquerenden Flüssen und nicht immer eine Orientierung über Tiefe und Beschaffenheit des Untergrundes. Alle Probleme waren jedoch mit Hilfe der überwiegend freundlichen Menschen zu lösen. Ich habe gelernt, meine Wäsche im Fluss zu waschen, mich mit den Verhältnissen, die mich umgeben, zu arrangieren.

Natürlich gab es auch unangenehme Situationen. Die jedoch eher dort, wo schon viele weiße Touristen ihre Spuren hinterlassen hatten. Ich habe tatsächlich stark in die Pedale getreten, als mich eine Schulklasse schreiend und Kugelschreiber fordernd verfolgte. Ich fürchtete, sie würden mich vom Rad reißen und gemeinschaftlich verhauen. Später bin ich dann Jeep fahrenden Touristen begegnet, die durch die Dörfer rasten und wie die Karnevalsprinzen Kugelschreiber oder Bonbons in den Staub warfen, indem sich dann die Kinder wälzten und um die Dinge prügelten – ein unwürdiges Schauspiel. Spinnen, Skorpione, Ratten, Lizards sind mir begegnet, haben mir aber nichts getan und glücklicherweise auch meine Fahrradtaschen gemieden. Schlangen habe ich nicht bemerkt, obwohl sie sicher da waren.

Insgesamt haben mich sicherlich gute afrikanische Geister begleitet und beschützt und mir auf meiner ersten Begegnung mit dem afrikanischen Kontinent gute Dienste geleistet. Nach 2-jähriger Dauerüberredung kam dann mein Mann für 2 Wochen mit mir nach Gambia, obwohl er lieber in skandinavischen Ländern reist. Während eines Wochenendausfluges mit dem Rad in Gambia wurde, an meinem Geburtstag, ein kleines Mädchen geboren. 7 Tage später, im Rahmen einer Namensgebungszeremonie, bekam es meinen Namen. Diese Erlebnisse überzeugten ihn schließlich davon, auch noch einmal zurückzukehren und mit mir den River Gambia zu umrunden. Dies realisierten wir dann zur Jahrtausendwende, mitten im Ramadan – eine Reise unter erschwerten Bedingungen.





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1. November 2004 - die Vorbereitungen
So, die letzte Impfung ist im Körper. So viele Impfungen brauchte ich noch nie. In der letzten Woche kam das Visum für Tansania – damit ist der Reisepass wieder sicher bei mir gelandet, nachdem Uganda und Kenia mich schon mit ihren Visa versorgt haben. Obwohl ich keine Hotels und Referenzen angeben konnte, da ich ja das erste Mal nach Ostafrika fahre, gab es keine Schwierigkeiten. Auch die Erwähnung, dass ich mit dem Fahrrad unterwegs sein werde, löste bei den Botschaften hier keine ausschweifenden weiteren Erkundigungen aus.

Trotz teilweise ängstigender Sicherheitshinweise des auswärtigen Amtes hält das Bürgerbüro keine Registrierung bei den jeweiligen deutschen Botschaften für notwendig – klingt doch gut. Nichtsdestotrotz....... wie bei meiner ersten Radtour durch Westafrika – das mulmige Gefühl schleicht sich wieder ein – warum tu ich mir das an? – Meine bisherige Erfahrung zeigt mir aber: vor Ort ergibt sich alles, sieht ganz anders aus – eventuell auftretende Probleme sind lösbar. Plan in Hamburg hat den Besuch angemeldet, die Mitarbeiter vorort haben ein Hotel in der Nähe des Büros und des Stadtteils ausgesucht und gebucht. Auch zum Büro in Mwanza meiner letzten Station der Radreise ist ein Kontakt hergestellt.

2. November
Anruf in Mwanza: und im Januar ist das Plan-Büro dort besetzt, sodass ich auch dort Kontakt aufnehmen kann.

22.11.04
So, heute dachte ich, ich fang mal an, zu packen. Etwas chaotisch gehts voran. Bei der Bank hatten sie die Dollars nicht bekommen, also am Mittwoch der nächste Versuch. Und dann eben der Blick auf die afrikanische Wetterkarte------ HIIIIIIIlfffffffffäääääääääää heftigster Regen mit Gewitter die nächsten 3 Tage - da bleib ich doch mit meinem Rad gleich im Schlamm stecken. - Und wenn ich an die Mücken denke, die sich da so prächtig in den Wasserpfützen tummeln - die sind in 2 Wochen noch putzmunter. Ich glaub, ich brauch nen Kosmonautenanzug.


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2. Dezember 2004 - los geht's
So, heute hab ich meine letzte Nacht gearbeitet und als ich nach dem Tagesschlaf erwachte, zwickte es im Bauch........ Durchfall! Na klasse, das hat mir grade noch gefehlt, aber in den letzten 3 Wochen umschwirrten mich diverse Magen-Darm Erkrankungen. Besser heut als Sonntag!

3.12.04
so alles wieder im lot. jetzt geht aber das zittern und die aufregung in die letzte entscheidende phase und ich bin völlig durch den wind: hab ich alles bedacht? ach wo war doch nochmal....... usw

4.12.04
ja, heute morgen bin ich mit ner vollen nase aufgewacht. bei manchen scheint es kein reisefieber, sondern reiseschnupfen zu geben. ausserdem finde ich die hose nicht, die ich anziehen will auf der reise ( die mit den vielen taschen ). hab ich die vor 2 jahren in gambia vielleicht verschenkt? keine ahnung. hier trag ich die nicht. ist ne urlaubshose. na ja, dazwischen lag ja auch noch ein umzug. hm, aber ich war sicher die hängt im schrank. so langsam stellt sich lethargie ein. egal - fahr ich eben ohne hose! ---

also, das wetter wird gut und die hose ist auch da. natürlich hing sie da, wo sie hängen sollte - sie hatte sich nur versteckt - um mich zu ärgern.
petravel
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Beitrag von petravel »

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5.12.04
in hannover und heathrow stehen die flüge auf dem abflugplan und sind weder "cancelled" noch "delayed" bislang jedenfalls. der wetterbericht sagt nichts von schneesturm, der etwas verhindern könnte und das erdbeben im schwarzwald hat sich auch nicht bis hierher ausgedehnt - gute voraussetzungen. allerdings ist eben bei meiner tasche, in der ich die fahrradtaschen für den flug verstaue, der reisverschluss kaputtgegangen. bernhard besorgt grad eine neue.

Hier der letzte Stand der Dinge vom Abflug. Die gute Nachricht: Der Flieger hob mit Petra recht pünktlich um 17:08 Uhr Richtung London ab. Die schlechte Nachricht: Die peniblen Sicherheitsbestimmungen ließen den Benzinkocher nicht zu. Zu der Entscheidung von Bundesgrenzschutz und British Airways reichte aus, dass die LEERE Benzinflasche und das Zubehör lediglich nach Benzin ROCHEN. Nun hat sie keine Möglichkeit mehr, unterwegs Wasser per Abkochen keimfrei zu machen. Und was gibts sonst noch zu erzählen? Es war ziemlich stressig, das Fahrrad "abflugbereit" herzurichten.Waren doch sämtliche Schrauben (Pedalen und Lenker-Konus), die vor Wochen probeweise schon einmal gelockert worden waren, doch irgendwie wieder festgerostet. Als die notwendigen Arbeiten dann mit Müh und Not erledigt waren, ging das verpackte Fahhrad am Sperrgepäckschalter durch den Flughafen-Sicherheits-Check. Alles klaro, dachten wir, als wir noch einen Kaffee trinken wollten. Just da wurde allerding Frau Manske per Lautsprecher ausgerufen. Der Grund: Das Fahrrad passte nicht durch das Röntgengerät beim Sicherheits-Check der Fluglinie: Sie möge doch bitte den Lenker vollständig abbauen. Nach einigem Hin und Her - der Luftlinie waren ja die genauen Maße des Fahhrads frühzeitig bekannt gegeben worden - wurde dann das Fahrrad noch einmal zum Röntgen Gerät des Flughafen-Sicherheits-Checks zurückgetragen. Dort passierte es erneut ohne Beanstandungen und wurde wieder zum Verladen zurückgetragen, ohne dass der Lenker demontiert werden mußte. Nun sind Petra und ihr Fahrrad auf dem Weg nach London. Ich drücke ihr ganz fest die Daumen, dass sie trotz der weiten Wege zwischen Heathrow und Gatwick und erneut notwendigem Aus- und Einchecken dort nicht so viel Stress hat wie in Hannover. Good luck!

ach das hat der daumendruecker ja gar nicht mehr mitbekommen, wie ich in hannover meine brillenetuis, meine bonbondose usw sprich mein gesammtes hab und gut auseinandernehmen musste was sich handgepaeck nennt. man gut, meinem pitti musste ich nicht den bauch aufschneiden. das haette noch zu dem tamtam gepasst was die hannoveraner da mit mir veranstaltet haben. bin ich etwa nicht serioes? zugegeben, bei meiner fahrt zum bahnhof mit dem fahrrad gruesste mich ein penner hocherfreut. das ist der zwiebeltechnik zu schulden. tausend klamotten uebereinander sieht zwar nicht elegant aus, aber hier kann man alles nacheinander anziehen wenn man unterwegs ist. und man hat weniger balast.

20:28 Uhr Ortszeit Hannover. Petra hat den Weg zwischen den Flughäfen bewältigt und in Heathrow für Entebbe eingecheckt.
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